TRAINING (2.5.1)

SwissCollNet setzt sich für eine bessere Erschliessung naturhistorischer Sammlungen in der Schweiz ein. Eine gemeinsame Vision und langfristige Strategie fördert die Nutzung der Sammlungen durch die Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Bild: OscarLoRo, stock.adobe.com

Der Taufschein des Grünlichen Breitkölbchens liegt in St. Gallen

Im Naturmuseum St. Gallen hat ein Digitalisierungsprojekt einen besonderen Fund zu Tage gefördert: einen Herbarbogen, mit dem eine Orchidee zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben wurde.

Grünliches Breitkölbchen (Platanthera chlorantha).
Grünliches Breitkölbchen (Platanthera chlorantha).
Grünliches Breitkölbchen (Platanthera chlorantha).Bild: Infoflora, Patrick Veya, CC BY-NC-SA
Bild: Infoflora, Patrick Veya, CC BY-NC-SA

Im Rahmen des Schweizer Netzwerks Naturhistorische Sammlungen (SwissCollNet) der SCNAT hat das Naturmuseum St. Gallen seine botanischen Sammlungen aufgearbeitet. Der Fokus lag auf dem St.Galler-Appenzeller Herbar. Rund 40'000 Belege haben die Fachleute fotografiert und digital erfasst. Dazu gehörte neben Funddatum und Sammler auch die georeferenzierte Bestimmung der Fundorte.

Keine gewöhnliche Hyazinthe

Dabei kam ein kostbarer Fund zum Vorschein: ein Beleg des Grünlichen Breitkölbchens. Diese Orchidee besitzt zwei bis drei grosse ovale Blätter und eine Blütendolde mit oft über 20 weisslich-hellgrünen oder gelben Blüten. Aus der Ferne sieht sie aus wie eine Hyazinthe – vielleicht heisst sie darum auch noch Grünliche Waldhyazinthe. Die Art ist weit verbreitet und kommt von Europa über Russland bis nach China und Japan vor.

Was den Herbarbogen für die Wissenschaft besonders macht, ist, dass es sich um ein sogenanntes Typusexemplar handelt. So bezeichnen Botanikerinnen und Botaniker Referenzpflanzen, anhand derer eine Art zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben wurde. Gesammelt hatte die Orchidee seinerzeit Jakob Gottlieb Custer (1789–1850). Der Bezirksarzt aus Rheineck, der in jüngeren Jahren in Napoleons Diensten stand und an dessen Russland-Feldzug teilnahm, war ein leidenschaftlicher Botaniker.

1827 wissenschaftlich beschrieben

Custer beschrieb die Orchidee 1827 wissenschaftlich und taufte sie auf den Namen Orchis chlorantha (Grünliche Orchidee). Die Bezeichnung blieb allerdings nur kurz gültig. Schon ein Jahr später ordnete der deutsche Botaniker Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach die Orchidee der Gattung Platanthera zu. Custers Name bleibt in der heute gültigen lateinischen Bezeichnung aber immer noch sichtbar: Platanthera chlorantha (Custer) Rchb.

—​
SwissCollNet
Das Schweizer Netzwerk Naturhistorische Sammlungen (SwissCollNet) setzt sich für eine bessere Erschliessung der naturhistorischen Sammlungen in der Schweiz ein. Unterstützt vom Bund schafft es zusammen mit Museen, Hochschulen und Botanischen Gärten die Grundlagen für die Digitalisierung und langfristige Verwaltung und Nutzung der Sammlungen.

  • Typusbeleg von Platanthera chlorantha.
  • Jakob Gottlieb Custer 1849 von einem Studienkollegen gezeichnet.
  • Grünliches Breitkölbchen (Platanthera chlorantha).
  • Typusbeleg von Platanthera chlorantha.Bild: Naturmuseum St.Gallen1/3
  • Jakob Gottlieb Custer 1849 von einem Studienkollegen gezeichnet.Bild: Staatsarchiv St.Gallen2/3
  • Grünliches Breitkölbchen (Platanthera chlorantha).Bild: Infoflora, Patrick Veya, CC BY-NC-SA3/3
  • Typusbeleg von Platanthera chlorantha.
  • Jakob Gottlieb Custer 1849 von einem Studienkollegen gezeichnet.
  • Grünliches Breitkölbchen (Platanthera chlorantha).
Typusbeleg von Platanthera chlorantha.Bild: Naturmuseum St.Gallen1/3

Kategorien

  • Botanik

Kontakt

Dr. Alfred Brülisauer
Naturmuseum St. Gallen
Rorschacher Strasse 263
9016 St. Gallen