Vom Bombenhagel verschont
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Berliner Herbarium zerstört – und damit botanisch wertvolle Pflanzenbelege der Naturforscher Paul und Fritz Sarasin. Im Rahmen eines Digitalisierungsprojektes ist nun ein Teil der verloren geglaubten Exemplare in Basel aufgetaucht.

Die Taschenherbarien der beiden Naturforscher Paul und Fritz Sarasin waren prall gefüllt, als sie 1896 von ihrer Expedition auf Sulawesi nach Basel zurückkehrten. Auf der indonesischen Insel wachsen viele Pflanzen, die nirgendwo anders vorkommen. Darum war es nicht erstaunlich, dass sich unter den Funden der Sarasins viele für die Systematik bislang unbekannte Arten befanden. So konnten Botaniker in Berlin dank des gesammelten Materials zahlreiche Blütenpflanzen erstmals wissenschaftlich beschreiben. Die dazu verwendeten Referenzpflanzen (Typusexemplare) sind deshalb besonders wertvoll.
1943 gingen Bomben der Alliierten auf die deutsche Hauptstadt nieder. Ein vom Bombardement entfachter Brand zerstörte das Berliner Herbarium. Auch die darin aufbewahrten Pflanzen von Sulawesi schienen verloren. Wie viele Typusexemplare den Flammen zum Opfer fielen, ist nicht bekannt.
Schachtel mit wertvollem Inhalt
Rund 80 Jahre später startete die Universität Basel im Rahmen der Initiative «Schweizer Netzwerk Naturhistorische Sammlungen (SwissCollNet)» ein Projekt, um ihre Herbarien aufzuarbeiten und zu digitalisieren. Mit SwissCollNet setzt sich die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz dafür ein, die naturhistorischen Sammlungen in der Schweiz besser zu erschliessen. Unterstützt vom Bund schafft das Netzwerk zusammen mit Museen, Hochschulen und Botanischen Gärten die Grundlagen für die Digitalisierung und langfristige Verwaltung und Nutzung der Bestände.
Die Entzückung unter den Fachleuten war gross, als man bei der Revision der Basler Sammlungen in einer staubigen Schachtel vier der Sarasin’schen Taschenherbarien fand – und in diesen 28 der zerstört geglaubten Typusexemplare entdeckte.
Über 140 Typusexemplare in Basel
Neben den Blütenpflanzen haben die Herbarien Basel im Rahmen von SwissCollNet auch ihre umfangreiche Sammlung von Farnen digitalisiert, welche die Sarasins von Sulawesi mitgebracht hatten. Darunter befinden sich zusätzliche Typusexemplare.
Erst kürzlich kamen zudem Fritz Sarasins Sammlungen aus Neukaledonien mit weiteren Typen ans Tageslicht – darunter ebenfalls ein verloren geglaubtes Typusexemplar: jenes der Orchideenart Thelymitra sarasiniana, die zu Ehren des Naturforschers sogar dessen Namen trägt. Insgesamt stiessen die Mitarbeitenden der Herbarien dank des Digitalisierungsprojekts auf über 140 Typen.


